Montag, Januar 16, 2006

Rodeln auf dem Fichtelberg

Die Wettervorhersagen waren eisig! Fast alle Pisten gesperrt, die Lifte außer Betrieb und der Wald schwer vereist und nicht begehbar!
Aber bezahlt ist bezahlt! So wurden halt mehr Getränke mitgenommen und gegen halb Vier zog die Karavane von dannen. Zwei Autos waren schon vorweg gefahren und so blieben nur noch 3 übrig.
Wir entschlossen uns einen kleinen Umweg zu fahren, da die B95 freitags meist sehr voll ist und kamen dann auch gegen 6 in Rittersgrün an. Unsere Pension lag idyllisch auf dem Berg gelegen, hatte eine niedliche Gaststube und angenehme Zimmer. Zwar entsprach die Ausstattung nicht dem neuesten Stand (das Bad war auf dem Flur), aber wir wollten ja dort auch nur schlafen und Essen und letzteres war einfach nicht zu überbieten. Was erwartet man auch mehr für 18 Euro (Übernachtung mit Halbpension).
Torsten hatte den Tag zuvor Geburtstag und so wurde an dem Abend auch noch kräftig gefeiert. Es war dann wohl weit nach Mitternacht, als ich mein Bett aufsuchte. Die Zimmeraufteilung war recht unkompliziert, da es zumeist dreier und vierer Zimmer waren, schliefen die jungs jeweil in Einem und die Mädels in einem Anderem und so war die Pension bei 24 Mann voll belegt.
Nachdem wir die Nacht und das Frühstück relativ schnell hinter uns gebracht hatten teilten sich die Massen in 2 Gruppen auf. Die eine fuhr nach Gottesgab zum Skifahren und die andere zum Rodeln auf den Fichtelberg. Ich fuhr zum Fichtelberg!
Ein Parkplatz unterhalb des 16 km entfernten Berges war schnell gefunden und danach ging es mit der Gondel nach oben. Zwar fanden wir ein Schild, dass die Rodelbahn gesperrt sein, aber wir einigten uns darauf, dass es immer einen Weg nach unten gebe.
Die Aussicht dort oben war einfach atemberaubend! Blauer Himmel bis zum Horizont, fast hätte man glauben können, man könne bis zum Ende der Welt sehen oder sogar weiter! Alles glitzerte in einem unschuldigen Weiß und unser Fußweg, auf dem wir schon vor Zwei Jahren Schlitten gefahren waren, war noch immer befahrbar.
Caro, die 16 jährige Tochter einer Freundin, mit der ich vor Zwei Jahren schon einen Baum ganz liebevoll umarmt hatte, wollte wieder mit mir zusammen fahren und so rodelten wir, anfangs als letzte, später dann im Mittelfeld, davon. Auf der Hälfte der Strecke mussten wir dann auf die Anderen warten, denn diesmal hatte jemand anderes unseren Baum vom letzten Mal liebgehabt, womit das Urlaubssoll an Verletzungen erfüllt war und wir getrost weiter rodeln konnten.
Die letzten 200 Meter mussten wir dann die Schwarze Piste nehmen, da bekommt man schon ganz schön Fahrt und mit Zwei Anläufen waren wir dann auch unten angekommen. Worauf wir dann erstmal einen Trinken gegangen sind, denn uns war dabei ganz schön warm geworden!
Dann wechsleten wir das Terrain und fuhren zum Tellerhäuser, dort sollte eine präparierte Rodelpiste sein. Im Vergleich zum Fichtelberg war es hier eher langweilig und so rodelten wir drei vier Mal und fuhren dann heim, wo die Anderen auch so nach und nach eintrudelten.
Der Abend war wieder feuchtfröhlich und lang, wenn auch kürzer als der Tag zuvor, denn Sonntag wollten wir ja dann Alle rodeln!
Ich weiß nicht, wer am nächsten Tag auf die grandiose Idee kam, die Kosten für die Gondel einzusparen und den Berg zu Fuss in Angriff zu nehmen, er hat sich danach auch nicht wieder gemeldet, denn wir Alle haben ihn gehasst!
Mt Schlitten durch den Tiefschnee! Es war einfach nur grausam!
Langsam kämpften sich auch die Wolken wieder heran, als ob sie wüßten, dass wir bald wieder nach Hause fahren müßten! Aber wir kämpften uns tapfer nach oben - die paar Hundert Meter Höhenunterschied!
Um so höher wir kamen, um so häufiger wurden die Pausen!
Erst als der Gipfel so langsam in Reichweite kam lockerte sich die Stimmung merklich auf und wir liefen wieder beschwingten Mutes den Schlitten schleppend voran. Vor allem, da wir wußten, oben gibts Glühwein und was zu Essen, denn Drei von uns waren mit der Gondel und dem essen noch oben gefahren und harrten da schon seit einer Stunde auf uns!
Ich glaube, wer uns an diesem Tag fluchend den Berg ersteigen hat sehen dürfen, bekam einen kleinen Einblick, wie sich die Völker gefühlt haben mögen, als die Teutonen über sie hereinbrachen.
Ich verstehe heute noch nicht, warum es bergab immer schneller geht als bergauf. Jedenfalls habe ich wohl mehr als die Hälfte mit meinem Hintern vermessen. Vorbei laufende Fussgänger verteilten Haltungsnoten und gratulierten demjenigen, der am elegantesten unfreiwillig den Schlitten verlassen hatte.
Auf der Hälfte der Strecke entschlossen wir uns vom gestrigen Weg abzuweichen und die andere Bergseite herunter zu fahren. Dieses letzte Stück war dann der Hass! 600 Meter steile Abfahrt mit Schikanen! Da standen Netze, Brücken und Wasserlöcher und einige Snowboardfahrer hatten auch Schanzen angelegt. Um all dies kurvten wir herum! Ergebnis waren dutzende blaue Flecke, zwerschundene Knie und total nasse Klamotten.













Aber angekommen sind wir Alle!

Tja und nun - auch wieder zu Hause!

Schön war's!